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| Winners and Losers: Eine kurze Geschichte der Amerikanisierung von
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Gewinne und Verluste durch Amerikanisierung
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Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 50 REZENSENT) (HALL OF FAME REZENSENT) Rezension bezieht sich auf: Winners and Losers: Eine kurze Geschichte der Amerikanisierung (Broschiert) Ist Amerikanisierung wirklich "das größte und bis heute wichtigste globale Phänomen" wie der eingangs von Harm G. Schröter zitierte US-Historiker Johnathan Zeitlin behauptet? In "Winners and Losers" stellt sich diese Frage nicht, denn Wirtschaftshistoriker Schröter geht davon aus und konzentriert sich bei seiner Definition dieses Phänomens auf den Schauplatz Mitteleuropa. Schröters Begriff von Amerikanisierung umfasst dabei als Teil dieses Kulturtransfers auch den Einfluss amerikanischer Unternehmenskultur auf das mitteleuropäische Wirtschaftsleben, wie die stärkere Entwicklung von Kreditwirtschaft und Liberalisierung.
Schröters Darstellung der Amerikanisierung beginnt jedoch bereits mit der Art und Weise wie er dem Leser das Thema näher bringt und schon im Vorwort darauf verweist, dass er sich entschieden hat den amerikanischen Ansatz von Wissenstransfer zu verwenden. Einhergehend mit einer pragmatisch-verkürzten Quellenangabe im laufenden Text anstatt Fußnoten und den Kapiteln voran- statt nachgestellten Zusammenfassungen. Ein illustratives Beispiel für die Vorzüge der Amerikanisierung, denn (S. 8) "Die Deutsche traditionelle Schlusszusammenfassung hämmert dem Leser ein, was er - gefälligst - behalten soll; jene am Anfang macht ein inhaltliches Angebot; und wenn es nicht interessiert, kann sie/er ja weiterblättern. Einstellungen zeigen sich oft an Nuancen. Das kleine Beispiel zeigt: Amerikanisierung ist nicht einfach und pauschal negativ zu bewerten."
Von der Seitenzahl her hätte das vorliegende Bändchen auch gut in die Reihe C.H. Beck Wissen gepasst, doch der Inhalt geht doch klar über die Grenzen der üblichen Zusammenfassung hinaus. Schröter erforscht hier ein Phänomen, das sich sehr vielfältig zeigt und über dessen reale Auswirkungen gerade im kulturellen Bereich doch oft nur spekuliert werden kann, was hier und da auch zu einer Überinterpretierung führt. Es ist ja nicht alles gleich Folge "kulturellen US-Imperialismus", der im Zusammenhang mit Amerikanisierung von linken wie rechten Demagogen gerne als Feindbild gezeichnet wird. Dabei hat der "Kulturtransfer" mit den USA durchaus auch handfeste Formen angefangen, wie neue Managementformen oder Produktionsweisen.
Weit populärer oder auch bekannter ist in der Amerikanisierungs-Diskussion die oft hitzige Kritik an den berühmt-berüchtigten Anglizismen des "Neudeutschen". Dabei hat die gegenseitige Beeinflussung von Sprachen Tradition, wie Schröter vielfach betont. Um die Worte des Autors zu gebrauchen (S. 120) "Warum sollte man nicht kurz googeln statt im Internet suchen gebrauchen? Und der Vorschlag, Jugendliche möchten doch bitte das Wort chatten durch 'Netzplaudern' ersetzen, kommt fern der Realität daher. Es fragt sich durchaus, ob die Amerikanisierung der Sprache tatsächlich so negativ zu bewerten ist, wie dies vielfach geschieht. Die deutsche Sprache hat ja auch einen großen Anteil ursprünglich lateinischer Worte inkorporiert, später gab es bedeutende Übernahmen aus dem Französischen. Zieht die Wirkung der sprachlichen Amerikanisierung Verlust oder Zunahme von Eigenständigkeit und Vielfalt nach sich? Es ist zurzeit wenig wahrscheinlich, dass ganze europäische Sprachen, und seien es kleine, zugunsten des Englischen aufgegeben werden." Nach Angelika Linke, welche Schröter mehrfach als Referenz heranzieht ist die ungenormte und oft spontane Übernahme amerikanischer Begriffe und Wendungen ein Indikator für die Dehierachisierung und Popularisierung der Sprache, weg von einer Manager- oder Gelehrtensprache (das genaue Gegenteil vom nach wie vor eher einer "Elite" vorbehaltenen Latein). Zudem scheint (S. 132f) "zumindest die deutsche Sprache die Amerikanisierung nach herkömmlichen Mustern inkorporieren und 'verdauen' zu können." Keine europäische Sprache, so Schröter, selbst in noch so kleinen Staaten, habe eine Verdrängung durch das Englische zu befürchten.
Ideologisch untergräbt die Amerikanisierung jedoch sehr wohl den Wohlfahrtsstaat, ist diesen in seinem Wesen (S. 132) "fürsorgend, schonend, aber gleichzeitig kollektivierend, gleichmachend und auch entmündigend." Das passt gut zum Gesellschaftsbild der "Arbeitermassen" von denen Schröter in diesem Zusammenhang spricht, ist aber nur schwer mit dem Bild eines Gemeinwesens aus "selbstbewussten, erfolgreichen und individualisierten Persönlichkeiten" zu vereinbaren, wie es die USA gerne als ihr Modell skizzieren. Schröter schreibt den Untergang der Rundum-sorglos-Mentalität der dritten Welle der Amerikanisierung zu. Eine dieser durch Bequemlichkeit und mangels Alternative gefestigten Einstellung entgegenwirkende Emanzipation zu mehr Selbstverantwortung sollte man daher positiv bewerten. (S. 134) "Schließlich hat die Amerikanisierung besonders in den asiatischen Ländern zu einem großen Wirtschaftsoptimismus geführt, der schon aus sich heraus Wachstum und Lebensverbesserungen ermöglicht." Selbst Europa könnte demnach von dieser Aufbruchstimmung profitieren, anstatt in selbstmitleidiger Depression den Untergang des Abendlandes heraufzubeschwören.
Seine abschließende Beurteilung bringt Schröter auf diesen kurzen Satz (S. 135) "Der Primat des Politischen und damit die gesellschaftliche Reichweite der Demokratie ist schwächer geworden, die Sphäre des Wirtschaftlichen einschließlich der Finanzen und des Individuellen ist stärker geworden. Wären wir ohne Amerikanisierung besser gefahren? Die Frage ist müßig, Amerikanisierung war das Ergebnis von vielen freien, positiven Entscheidungen und der Suche nach dem optimalem Verhalten. Amerikanisierung ist damit aus Sicht der Akteure in ihrer jeweiligen Zeit moralisch legitimiert. Und schließlich: Wie alle Wertetransfers ist auch die Amerikanisierung langfristig reversibel." Eine Erklärung dafür warum die politische Komponente in seinem Werk eine eher unbedeutende Rolle spielt und dem interessierten Leser langwierige Erläuterungen zu Marshallplan, NATO und den Erkenntnissen der USA zu EWG, EFTA und EU erspart bleiben.
Fazit: Eine gelungene Einführung in einen sehr reichhaltigen Themenkomplex. Mit sehr plastischen Beispielen und einem flüssigen Erzählstil vermittelt "Winners and Losers" ein verständliches Bild davon was "Amerikanisierung" wirklich ist und bietet.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 10. November 2009 | | |
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