Helmut Schmidt: Mensch-Staatsmann-Moralist (HERDER spektrum)


 
Extreme Ungenauigkeiten
• • • • •   (bewertet mit 2 von 5 Punkten)

Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Helmut Schmidt: Mensch-Staatsmann-Moralist (HERDER spektrum) (Taschenbuch) An der Stelle des Buchs, an der nach einleitenden Ausführungen die eigentliche Biographie beginnt, lesen wir als ersten Satz: "Helmut Waldemar Schmidt kommt am 23. Dezember 1918 zur Welt." Helmut Waldemar Schmidt? War da nicht noch was? In der Tat - der vollständige Name lautet Helmut Heinrich Waldemar Schmidt.

Es mag spitzfindig sein, auf solchen Dingen herumzureiten. Nur: welchen Wert hat eine Biographie, deren Verfasser es noch nicht einmal schafft, den Namen des Biographierten korrekt zu nennen?

Auch sonst lässt das Buch stark an Genauigkeit vermissen. Rupps möchte den Zeitgeist der späten 60er Jahre beschreiben und spricht vom Kuppeleiparagraphen, der damals ja noch im Bürgerlichen Gesetzbuch stehe. Richtigerweise ist es das Strafgesetzbuch gewesen. Das Bundesausbildungsförderungsgesetz wird falsch abgekürzt. Der zweite außerordentliche SPD-Parteitag 1983, auf dem über den zweiten Teil des NATO-Doppelbeschlusses abgestimmt wurde, wird nach Nürnberg verortet - tatsächlich fand er in Köln statt. Weitere Beispiele finden sich zu Genüge.

Vielfach äußert der Autor Vermutungen über die Motive des Handelns von Helmut Schmidt und anderer Protagonisten der Weltpolitik zu dieser Zeit - und schweigt sich darüber aus, welche Überlegungen zu den (teilweise eher fernliegenden) Vermutungen führen.

Über große Teile hinweg macht das Buch den Anschein, im Wesentlichen eine Mitschrift aus den zahlreichen Fernseh-Dokumentationen über Helmut Schmidt zu sein, angereichert durch Wikipedia-Wissen.

In den einleitenden Kapiteln lässt uns der Autor wissen, dass er im Rahmen seiner Dissertation einmal die Gelegenheit bekommen hat, mit Helmut Schmidt zu sprechen. Schön und gut. Dieses eine Gespräch benutzt er nun penetrant im ganzen Buch, um Nähe zu dem Kanzler a.D. zu suggerieren. Die Floskeln "in einem Gespräch mit mir äußert Helmut Schmidt, dass'" oder "sagt Helmut Schmidt im Gespräch mit mir" kann man bald nicht mehr hören.

Das Buch als solches hat weniger den Charakter einer Biographie als den eines Buches über Helmut Schmidt. Anders als in der typischen Biographie wird nicht das gesamte Leben abgeklappert, sondern der Autor greift die "Essentials", d.h. die wesentlichen Stationen des Lebens von Helmut Schmidt heraus und behandelt nur diese.

Auf der positiven Seite ist zu vermerken: der Autor hat einen angenehmen Schreibstil. Gut gelungen sind die Kapitel zu den "Hausapothekern" Helmut Schmidts, d.h. der Philosophen, die er als für sich prägend ansieht (Marc Aurel, Immanuel Kant, Max Weber, Karl Popper).

Alles in allem kann ich das Buch jedoch insbesondere wegen seiner vielen Ungenauigkeiten nicht empfehlen.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 27. Juni 2010
Kundenrezensionen:
3. Helmut Schmidt - Mensch - Staatsmann - Moralist
2. Extreme Ungenauigkeiten (die aktuell angezeigte Rezension)
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