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Ein ausgezeichntetes Parteienlexikon
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(REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: Handbuch der deutschen Parteien (Taschenbuch) Endlich gibt es mit dem "Handbuch der deutschen Parteien" eine umfangreiche Übersicht über die bundesdeutsche Parteienlandschaft seit den frühen 80er Jahren. Ganz in der Tradition der klassischen Parteienlexika (vor allem Stöss`"Parteien-Handbuch" von 1983 sowie Frickes allerdings sehr sozialistisch-tendenziöses "Die bürgerlichen Parteien in Deutschland" aus den späten 60ern) bietet das Werk eine kompetente Darstellung der Struktur, Geschichte, Programmatik und der Wahlergebnisse der bundesdeutschen Parteien.

Hilfreich ist hier vor allem der Überblick über die diversen Klein- und Kleinstparteien, die in der Literatur normalerweise wenig bis gar keine Beachtung finden. So war mir z.B. die Existenz der Deutschen Biertrinker Union (DBU) bisher gänzlich unbekannt.

Ergänzt wird der lexikalische Teil durch vier interessante Beiträge über den Zustand der deutschen Parteien, der Parteiendemokratie sowie der bundesrepublikanischen Parteiengeschichte.

Besonders informativ erscheinen mir Frank Deckers Ausführungen zur "Parteiendemokratie im Wandel".
Decker beschreibt die Veränderung der Parteienlandschaft seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts mit Blick auf den rasanten gesellschaftlichen Wandel (Wiedervereinigung, Globalisierung, Wertewandel etc.).
Da heute klassische nationalstaatliche politische Entscheidungen immer weniger Einfluß u.a. auf wirtschaftliche Entwicklungen (z.B. internationale Finanzströme) haben, müssen Parteien natürlich völlig neue Antworten auf die gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit finden. Wie schwierig es ist, schlüssige Konzepte für die Zukunft zu finden, zeigen nicht nur die derzeitigen Programmdiskussionen in der SPD sondern auch die Antworten der Wissenschaft. So überzeugt mich Decker hier keineswegs.

Als einen Ausweg aus dem Dilemma empfiehlt er "mehr direkte Demokratie", also mehr Bürgerbeteiligung z.B. durch verstärkte plebiszitäre Elemente.
Nur wenige Seiten vorher kritisiert der Autor allerdings die "starke Ausprägung sozialstaatlichen Sicherheitsdenkens" in der deutschen Bevölkerung und führt aus, daß die rot-grüne Regierung bei den Wahlen 2005 vor allem für die notwendigen und schmerzhaften Schritte (Agenda 2010) von dem Wähler abgestraft wurde.

Wie allerdings die von Decker geforderte vermehrte direkte Beteiligung eben jener reformunwilligen Bevölkerung diese unangenehmen aber wichtigen Maßnahmen voran bringen könnte, bleibt das Geheimnis des Autors.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 27. Oktober 2007
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