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Geschlossene Gesellschaft ?
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Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Elitesoziologie: Eine Einführung (Campus »Studium«) (Broschiert) In einer Zeit, in der so massiv die Frage nach der Moral der Elite gestellt wird, ist ein Blick in ein solches Buch hilfreich. Hartmann, einer der führenden deutschen Eliteforscher, hat dieses Studienbuch vorgelegt, das den Neugierigen eine interessante Lektüre ist. Wie wird man Elite, was sind die Kriterien des Aufstiegs, wie funktionieren die Eliten miteinander,welche Elite ist die dominante ?
Hartmann beschreibt herkommliche Theorien von Eliten-Elitenbildung und moderne, miteinander konkurrierende Ansätze. Zwei grosse Linien sind ausmachbar:
die einen sprechen eher von Meritokratie. Jeder hat den Marschallstab im Tornister. Die Eliten in der Gesellschaft sind sozial durchlässig, Leistung ist entscheidend. Die verschiedenen Eliten konkurrieren miteinander. Die Gegenauffasusung meint, Eliten würden sich hochgradig selbst ergänzen. Die Herkunft sei wichtiger als die Leistung. Die Eliten seien teilweise deutlich miteinander verflochten, teilweise gebe es einen klar wahrnehmbaren Austausch zwischen den Eliten und natürlich sei die Wirtschaftselite die dominante.
Ganz unvoreingenommen würde man meinen, diejenigen, die am " Drücker" sind, haben ein Interesse an grösstmöglichem Einfluss, ein Interesse daran, dass sie selektieren, wer zu ihnen aufsteigt und dies bevorzugt in eigenen Kreisen tun. Das wäre das Naheliegendse.
Hartmann verwendet viel Argumentationseifer darauf, diese These wissenschaftlich zu stützen.
Offensichtlich gibt es starke Gegenströmungen. Verstehen kann man, dass der Eindruck einer Durchlässigkeit die Legitimität des Systems steigern würde.
Angesichts der offensichtliche Vorteile einer Zugehörigkeit zu dieser Gruppe, angesichtes der Zahlen, die eine deutliche,im grösser werdende Einkommenschere zwischen " oben " und "unten" belegen ( wer verdient schon innerhalb eines Jahres mehr als 60% seines Millionengehaltes mehr?) wird man verstehen, dass es ein Bestreben geben könnte, vorhandene Ungleichheiten wenn nicht zu leugnen, dann dort zu relativieren und zu minimieren. Wenn jeder die Chance hätte, würde die Ungerechtigkeit vielleicht weniger empfunden werden, weil es dann ja persönliches Unvermögen der " Minderleister" wäre, zu der privilegierten Klasse nicht zu gehören. Gerade im 6.Kaptiel der Schrift merkt man deutlich das Engagement des Autors, seine Empörung über die Haltungen und Taten dieser (Wirtschafts)Elite. Einerseits ist es ehrbar, wenn ein Autor seine Prämissen offenbart, anderseits sollte er die Frage stellen, ob er seiner Empörung nicht in einer anderen Form Ausdruck gibt als in der eines Studienbuchs ? Bewusst als Frage formuliert. Immerhin besteht gegen parteiische Wissenschaft, von welcher Seite auch immer die Parteilichkeit kommt, ein Vorbehalt. Es ist nicht nur ein Studienbuch, sondern auch eine Streitschrift. Wer dieses miteinander vereinbaren kann und will, wird bei Hartmann Material finden und denken, warum dieses nicht im allgemeinen Bewusstsein ist und was es gesellschaftlich auslösen könnte, wenn es ins allgemeine Bewusstsein geräte?
Ein engagiertes Buch.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 25. Februar 2008 |