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| »Doch wenn sich die Dinge ändern« - Die Linke
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Mit herzlicher Abneigung geschrieben
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Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 1000 REZENSENT) (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: »Doch wenn sich die Dinge ändern« - Die Linke (Broschiert) Dieses kleine, sehr informative und anregende, gut lesbare Buch ist ein Beweis dafür, dass heftige Emotion der Antrieb sein kann einen gedanken- und faktenreichen Text zu schreiben. Fülberth ist zu solide und auch zu kritsch und selbstkritisch, als dass er sich (und dem Leser) von der Emotion den Blick verstellen ließe.
Der Leser hat den Genuss einer sehr kenntnisreichen Darlegung vieler Aspekte der westdeutschen (und z.T. eben auch ostdeutschen) Linken, aus der Fülberth, jahrzehntelang Professor der Politikwissenschaft, stammt. Kurzporträts von Ahnherren der Linken wie Abendroth und Lamm sind zu finden wie eine schöne politische Biografie eines namentlich nicht genannten linken Sozialdemokraten aus einer hessischen Uni-Stadt. Fast unvermittelt holt Fülberth dann wieder die großen Züge der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung in Deutschland seit 1989 in den Blick.
Interessant, dass die besten Entschlüsse auf Parteitagen der PDS (als einer der Vorgänger-Organisationen der "LINKE") gefasst wurden, wenn die Spitzenleute wie Gysi und Bisky durch Abwesenheit, etwa für den Besuch eines Fußballspiels, glänzten. Ein bisschen empört die Ignoranz der Spitzenleute, man kann die Wirkung aber positiv sehen.
Ganz unzureichend wird die Entwicklung und das Personal der WASG, der anderen Vorläufer-Organisation der "LINKE", behandelt. Da macht sich der Blick aus der Perspektive der hessischen Uni-Stadt einschränkend bemerkbar. Erst die WASG mit ihren wenigen Tausend Mitgliedern hat eine Art West-Ausdehnung der PDS ermöglicht, die diese zum Glück anders nicht hinbekommen hat. Denn in der Tat ist das ex-oriente-lux historisch eher widerlegt als erwiesen und Fülberths süffisanter Hinweis auf die linken Parvenüs der PDS durchaus gerecht. Die Liebe zum Detail und zur konkreten Person ist Fülberths Stärke und macht die Darstellung anschaulich. Ob der Linksparteiortsverein Saarbrücken/St. Johann aus mehr als zwei Mitgliedern bestand, will sagen, ob er irgendeine Relevanz besaß, das fragt sich Fülberth leider nicht und unterliegt somit auch der medialen Verzerrung, die er sonst zu Recht kritisiert.
Die Partei der Grünen als Partei der "Intelligenz als Massenschicht" vorzustellen, ist eine Erklärung, die nichts erklärt. Der Begriff Massenschicht hat Substanz nur im Hinblick auf eine braune Schicht Nuss-Nougat-Creme schön dick auf ein Brot aufgetragen. Hinsichtlich Klassen und Schichten dürfte ein Marxist intelligenter und weniger eindimensional schreiben. Und vom Politikwissenschaftler wäre zu erwarten, dass er die politische Orientierung und Aktivierung von Menschen als eine nicht (etwa durch lohnabhängige Arbeit) determinierte Entscheidung betrachtet. Für die "LINKE" wird Fülberth als Basis keine "Schicht" finden, da müsste schon mit anderen Begrifflichkeiten gesucht werden. Gerade auch von ihm und mit seiner heftigen, politischen Emotion.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 26. April 2008 | | |
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