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| Charismatiker und Effizienzen: Porträts aus 60 Jahren Bundesrepublik (edition suhrkamp)
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Gegen die Herrschaft der Büroleiter
• • • • • (bewertet mit 4 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Charismatiker und Effizienzen: Porträts aus 60 Jahren Bundesrepublik (edition suhrkamp) (Taschenbuch) Franz Walter stellt in diesem Buch einige Dutzend Spitzenpolitiker aus der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte vor, in erster Linie Partei- und Fraktionsvorsitzende und führende Regierungsmitglieder. Der Buchtitel deutet die beiden festzustellenden Haupttypen an: als Charismatiker diejenigen, die von einer Sache begeistert sind und Menschen in Bewegung bringen, dagegen als Effizienzen diejenigen, denen das Funktionieren des Apparats das wichtigste ist, egal ob nun Partei oder Staat. Zu seinem Leidwesen diagnostiziert der Autor, dass derzeit die zweite Sorte, die er auch als "Büroleiter" bezeichnet, die Vorherrschaft hat. Da er selbst deren Mentalität abgeneigt ist, liefert er keine schematischen und streng systematischen Politikerbiografien ab, die einem festen Muster folgen, sondern setzt jeweils eigene Akzente und fügt gern auch ein paar pointierte Denkanstöße und Deutungsanätze hinzu. Dennoch gibt es eine gewisse Ordnung im Buch, da der Autor im Prinzip chronologisch vorgeht und die sechs Jahrzehnte in vier Epochen gliedert: die "Zeit der Patriarchen" (1945 - 1963), die "Jahre des Übergangs" (1963 - 1974), die "Schmidt-Kohl-Jahre" (1974 - 1998) und die "Berliner Republik" (1998 - 2009). In jeder dieser vier Epochen geht Walter die politischen Lager jeweils für sich durch und stellt den Porträtierten meist noch Vertraute, Zuarbeiter und Konkurrenten an die Seite, so dass nicht nur Auf und Ab der individuellen Karrieren sondern auch Veränderungen der politischen "Wetterlage" nachvollziehbar werden. Insgesamt ein informatives Sachbuch, das kurzweilig und mitunter sogar spannend zu lesen ist. Mein einziger Kritikpunkt wäre die nicht immer nachvollziehbare Auswahl der mit einem eigenen Kapitel bedachten Personen. Die Grünen scheinen überrepräsentiert, wenn z.B. Baldur Springmann oder Cem Özdemir im Inhaltsverzeichnis auftauchen, während u.a. Kurt-Georg Kiesinger, Richard von Weizsäcker oder Johannes Rau nur en passant erwähnt werden. Und ob Guido Westerwelle für das letzte Jahrzehnt im liberalen Spektrum wirklich ein Alleinstellungsmerkmal besitzt?
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 20. August 2009 | | |
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