Carl Schmitt: Aufstieg und Fall. Eine Biographie


 
Ein Buch voller intellektualisierendem Dünkel
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(TOP 500 REZENSENT)    Rezension bezieht sich auf: Carl Schmitt: Aufstieg und Fall. Eine Biographie (Gebundene Ausgabe) Reinhard Mehrings "Carl Schmitt" ist mein größter Fehlkauf seit einigen Jahren. Gelockt durch einen vielversprechenden Klappentext sowie tendentiell positive Besprechungen in diversen Feuilletons hat mich mein grundsätzliches politisch-geschichtliches Interesse zu diesem Kauf verleitet. Fasziniert von der vielschichtigen Rolle Schmitts sowohl als "Kronjurist" des 3. Reiches als auch als wichtiger deutschsprachiger Denker zu staatspolitischen Fragen der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts, wollte ich mich detaillierter mit seinem Werdegang und vor allem den wichtigsten Thesen seiner Arbeiten auseinandersetzen. Die publizierten Besprechungen hatten mir ferner suggeriert, dass diese Biographie durchaus für ein breiteres Leserspektrum geeignet sei. Leider hat sich diese Annahme nicht bewahrheitet.

Ich habe mich durch die ersten ca. 100 Seiten des Buches gekämpft und dann versucht zu einem der späteren Kapitel zu springen, um dort eventuell doch noch einen Zugang zu finden. Ich habe selten ein Buch gelesen, bei dem ich sprachlich & intellektuell derart frustriert worden bin. Mehring scheint es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, durch überbordendes Einbauen von Fachnomenklatur noch die scheinbar trivialsten Zusammenhänge für den "durchschnittlichen" Leser völlig von Sinn und Verständnis zu befreien. Diese Form von intellektualisierendem Dünkel hat aus meiner Sicht bereits in der Vergangenheit bestimmte Teile der deutschsprachigen Politikwissenschaft/Philosophie (z.B. die Frankfurter Schule) vom breiteren Publikum ferngehalten. Zwar ist mein akademischer Hintergrund naturwissenschaftlicher Natur, dennoch bilde ich mir ein, recht breit belesen zu sein. So habe ich mich insbesondere mit Arbeiten amerikanischer Autoren (weniger bekannte Veröffentlichungen von Huntington, Fukuyama etc.) auseinandergesetzt, in denen es um durchaus staatsphilosophische Fragestellungen ging. Allerdings bin ich weder Altphilologe noch habe ich 20 Jahre damit verbracht, mich kreuz und quer durch die philosophische, staatstheoretische und polit-wissenschaftliche Primärliteratur zu lesen. Letzteres wäre aber notwendig gewesen, um Mehrings Feuerwerk an Querverweise und -bezügen, Andeutungen und Vergleichen verarbeiten zu können. Leider blieb mir daher beim Lesen lediglich die Erkenntnis, nichts vom Gelesen wirklich zu verstehen, sowie die Unsicherheit, ob sich hinter der sprachlichen Bombast-Fassade eigentlich ein tatsächlich relevanter Inhalt verbirgt.

Aus meiner Sicht ist dieses Buch für ein breiteres Publikum völlig ungeeignet. Ich kann potentiellen Leser insofern mit einem schnellen Vortest weiterhelfen, um zu entscheiden, ob sich der Kauf dieses Buches für sie wirklich lohnt: Der potentielle Leser sollte mindestens die Begriffe "juridisch" (= die moralisch-sittliche Herleitung des Rechtes betreffend; im Gegensatz zu juristisch) oder "hermeneutisch" (= die Auslegung von Texten betreffend) zu seinem Grundvokabular zählen (oder eine Standleitung zu Wikipedia etablieren). Ferner wäre es hilfreich, den Bezug des George-Kreises zu Hölderlin einschätzen zu können und sich in den wesentlichen Zügen der romantischen Literatur auszukennen. Wer nach den vorstehenden zwei Sätzen ein große Fragezeichen auf seiner Stirn entdeckt, sollte vom Kauf dieses Buches besser absehen und die gesparten Euro besser in ein Basiswörterbuch Philosophie investieren.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 3. März 2010
Kundenrezensionen:
3. Aufstieg und Fall
2. Ein Buch voller intellektualisierendem Dünkel (die aktuell angezeigte Rezension)
1. Eine Zumutung
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